Die Gugelhupfe

Die Bewohner des Städtchens .Hochstädt an der Donau werden spottweise die Gugelhupfe genannt. In der Tat ist der Napfkuchen das Lieblingsgericht jener Bürger, und man sagt ihnen nach, sie hätten immer einen daheim, einen zweiten beim Bäcker und einen dritten in der Rocktasche bei sich oder im Mund - und wer es dort nicht so macht, der sei nicht gesund.

Boshafte Zungen der Umgebung erzählen sogar, es wäre ihnen einmal beim Backen des Gugelhupfs ein arges Mißgeschick zugestoßen. Es wurde damals ein Fest zu Ehren des Bürgermeisters veranstaltet, und da wollten Sie den Festtagskuchen besonders schön gestalten. Darum kamen sie auf den Gedanken, den bereiteten Teig statt in eine irdene Form, in eine große, dickbäuchige Flasche einzulassen und in das Backrohr zu schieben. Das gelang ihnen denn auch recht gut. Als aber der Kuchen knusperig braun gebraten war, konnten sie ihn nicht aus seiner Form bringen. Sie versuchten es wohl auf jede erdenkliche Weise, stürzten die Flasche um und schüttelten sie hin und her; es blieb jedoch alles vergeblich. Da schämten sie sich und ließen die Köpfe hängen. Zum Glück erstand ein Ratgeber in der Not; der Zufall wollte es nämlich daß ein Mann aus Dillingen hinzukam, wie sie sich gerade mit dem Gugelhupf abmühten. Da er Mitleid mit den Hochstädtern empfand, griff er herzhaft zu und schlug einfach mit seinem Stock die Flasche entzwei. Der Kuchen war gerettet, wenn auch die Form zerbrochen war. Voll Freude darüber jubelten sie dem Dillinger zu, den sie nun aus Dankbarkeit aufs Rathaus führten und ihn als Gast am Festmahl teilnehmen ließen. Er durfte sogar neben der Frau des Bürgermeisters sitzen, und ihm wurde später das Ehrenbürgerrecht verliehen.

Quelle: Schelme und Narren; Josef Pöttinger; Verlag Ferdinand Ertl Wien; 1941

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