Der Mann mit dem schwarzen Mantel

Lange bevor die Eisenbrücke erbaut war, die heute die Ortschaften Kraxental und Neuschönau verbindet, besorgte der Bauer Boiger in Garsten die Überfuhr und brachte die Leute mit einer Zille über den Ennsfluß, und zwar dort, wo der Fluß eine große Schleife macht, die im ländlichen Sprachgebrauch "Boig" genannt wird.

Eines Tages stieg bei der Boig, wo die Anlegestelle war, ein in einen schwarzen Mantel gehüllter, schweigsamer Mann mit einem unheimlichen Aussehen und Gebaren in die Zille des Boigers und ließ sich über die Enns setzen. Als sie in der Mitte des Flusses waren, stieg der sonderbare Geselle aus der Zille und ging auf dem Wasser zum jenseitigen Ufer hinüber.

Er überquerte die Eisenstraße, ging dann über den "Galgenhügel" in der Freising, hinauf den steilen Hang nach dem kleinen Örtchen St. Ulrich, das so idyllisch auf dem Berge liegt. Bald darauf brach die Pest aus, die viele Menschen in dem genannten Orte und in Unterwald wegraffte. Der sonderbare Mann in dem schwarzen Mantel ist der Tod gewesen.

Quelle: Sagen und Legenden von Steyr, Franz Harrer, Verlag Wilhelm Ennsthaler, Steyr, 3. Auflage 1980,
ISBN 3-85068-004-5

© digitale Bearbeitung Norbert Steinwendner, St. Valentin, NÖ.

 
designed by © Norbert Steinwendner, A 4300 St. Valentin